Elf Tage in Vietnam

Mittlerweile sind wir schon elf Tage in Vietnam und haben unsere ersten Erfahrungen mit dem Land gesammelt. Es ist nicht alles ganz so einfach. Das geht schon mit der Sprache los. Das Vietnamesische ist eine Tonsprache, das heißt Mi kann man in sechs verschiedenen Wegen aussprechen. Mal geht das i nach oben mal nach unten, mal bleibt es gleich oder es geht nur kurz nach unten oder es gibt sogar eine Welle. Eine Art von diesen Mi heißt Nudeln. In einem Homestay haben wir -in Englisch - über Essen gesprochen und selbst in diesem Kontext konnten wir uns mit Mi nicht verständlich machen, weil wir es falsch ausgesprochen haben und für die Vietnamesin eine gänzlich andere Bedeutung gegeben haben. Als sie es dann sagte, war uns der Fehler natürlich sofort klar und wir können jetzt immer problemlos Nudeln auf Vietnamesich bestellen... Wir kommen an vielen Stellen gut mit Englisch durch, aber manchmal hilft nur die Kommunikation mit Händen und Füßen. Nur Danke können wir sagen, das spricht man nämlich ganz einfach wie das Englische "Come on" aus.

Das Wetter ist auch nicht immer ganz einfach. Nachdem wir auf Bali eher gefroren als geschwitzt haben und jeder Deutsche im Hitzesommer nur milde über unsere 29 Grad lächeln konnte, haben wir jetzt doch sehr konkurrenzfähige Werte um beim Wetterquartett gewinnen zu können. Heute waren es beispielsweise bis zu 38 Grad in Hue. Dazu kommt teilweise eine extreme Schwüle, so dass der Schweiß bei der geringsten körperlichen Betätigung - und dazu zählt im Zweifel einfaches Atmen - in Strömen läuft. Auch in Hanoi gab es nach den Regenschauern echtes Waschküchen-Feeling. In den Unterkünften haben wir bisher immer eine Klimaanlage gehabt, aber ansonsten gehört ein Ventilator überall zur Grundausstattung und wird in der höchsten Stufe auf einen gerichtet, wenn man sich beispielsweise in ein Restaurant gesetzt hat. Das macht das Verweilen an vielen Orten erst erträglich.


Wir haben uns mittlerweile auch schon gut nach Süden durchgeschlagen. Vietnam ist lang von Nord nach Süd gestreckt und hat von Ost nach West teilweise nur eine Breite von 50. km. Von Hanoi aus haben wir jetzt etwa die Hälfte von Vietnam bereist. Hue, die alte Kaiserstadt, liegt in etwa in der Mitte zwischen Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon. Die Strecke haben wir bisher komplett mit dem Zug zurück gelegt. Der Reunification-Express, der seinen Namen aus der Wiedervereinigung zwischen Nord- und Südvietnam nach dem Vietnamkrieg hat, kann nicht wirklich als Express bezeichnet werden. Es geht eher im Bummeltempo durch die Reisfelder. Von Hanoi nach Saigon soll er mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 50 km/h fahren. Dafür kann man gut die Aussicht aus dem Zug genießen. Die Abteile sind eher etwas älter, die Vorhänge sehen aus wie bei den Großeltern, die Sitze sind durch gesessen und die Klimaanlage - immerhin - pustet eher müde vor sich hin. Trotzdem sind wir bisher immer gut an allen Bahnhöfen, die hier Ga vom französischen Gare heißen, angekommen. Morgen erwartet uns dann die spektakulärste Etappe entlang des Wolkenpasses, der Vietnam in die klimatische Nord- und Südhälfte teilt, von Hue nach Da Nang.

Vor Ort sind wir dann bisher immer entweder Fahrrad gefahren oder, wie es hier der absolute Standard ist, mit dem Motorroller unterwegs gewesen. Ob der deutsche beziehungsweise der internationale Führerschein hier anerkannt wird, ist nicht gänzlich sicher, aber bisher wurden wir noch von keiner Polizei angehalten und den Vermietern ist es eh egal. Das Fahren auf dem Land war gar kein Problem. Das Fahren durch Hue war da heute schon spannender. Wenn man über ein große Kreuzung ohne Ampel nach Links abbiegt, zählt alleine das Recht des Stärkeren. Autos sollte man immer vorfahren lassen, die Motorroller unter sich stimmen sich ein wenig mit Blickkontakt ab und man darf keine Rückzieher machen. Die anderen planen eine konstante Fahrt der anderen ein. So ist der Verkehr auch auf einer großen Kreuzung immer im Fluss. Mel ist hinten drauf ganz entspannt und ich cruise locker von A nach B. Einen Nagel im Reifen musste wir allerdings auch schon verkraften, die Reparatur war aber nach fünf Minuten erledigt und der Preis mit 20.000 Dong (etwa 80 Cent) erschwinglich. Ganz wichtig beim Fahren ist noxh, dass man immer viel hupt, um zu zeigen, dass man da ist oder überholt oder langsamer wird...

Ansonsten schlagen wir uns so durch: in einem Homestay wurde ein geschlachtetes Schwein neben dem Frühstückstisch zerteilt, bei einem anderen lief eine Kuhherde über die Veranda, in den Straßenküchen sind die hygienischen Zustände auch nicht immer ganz einwandfrei und bei Taxifahrern muss man immer aufpassen, dass das Taximeter sich nicht selber überholt oder eine Ehrenrunde durch die Stadt gedreht wird... Dafür begegnen uns hier die meisten Menschen schon sehr freundlich. Die Sprachbarriere ist, wie anfangs geschrieben, ohne Frage vielerorts da, aber damit kommt man schon klar. Wir sind gespannt, was wir jetzt im südlichen Vietnam noch alles erleben und dann gibt es sicher noch viele andere Eindrücke, von denen wir berichten können.

Tim
27.08.2018 - 07.09.2018
Vietnam, Zug, Fahrrad, Moped


5 Kommentare

Toni 15.09.2018 um 12:46 Uhr
Schöner Bericht. Hupend und mit rosa Helm für Tim. Großartiges Bild. Weiterhin gute Reise. LG

Die Vagabunden 09.09.2018 um 21:19 Uhr
Sieht so aus, als taucht Ihr beiden tief in das vietnamesische Leben ein und reist genau so wie die Einheimischen. Wir warten mit Spannung auf die weiteren Fotos.

Anne 08.09.2018 um 19:25 Uhr
Mit viel Interesse und Freude verfolgen wir Eure Reise! Vielen Dank für den tollen Blog! Weiterhin eine wunderschöne Zeit wünschen Euch Anne und Thomas

Patrick 08.09.2018 um 17:12 Uhr
Im südlichen Vietnam im Mekong-Delta und Ho Chi-Minh Stadt ist wegen der vielen Studenten das Englisch besser, ansonsten wie 2008 alles unverändert, sehr gut beschrieben die Hitze, die Luftfeuchtigkeit und dem chaotischem Verkehr.

Sirod 08.09.2018 um 15:16 Uhr
Sehr interessant geschrieben! Weiterhin viel Glück bei euren Unternehmungen........

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