Über den Mekong zurück nach Vietnam

Schon vor Beginn unserer Reise hatten wir überlegt, ob wir nicht über den Mekong von Vietnam nach Kambodscha oder umgekehrt einreisen könnten. Zu den mehrtägigen Touren gab allerdings nur wenige positive Berichte im Internet, meistens hatte die Kritik mit unbequemen, teils überfüllten Booten oder dreckigen Unterkünften zu tun. Schließlich entschlossen wir uns dazu, zumindest vier bis fünf Stunden mit dem Speedboot vom kambodschanischen Phnom Penh über die Grenze nach Chau Doc in Vietnam auf dem Mekong zu fahren. Um ein möglichst sicheres Boot zu bekommen, waren wir natürlich bereit, nicht den billigsten Anbieter zu nehmen. Wir informierten uns über die verschiedenen Bootsunternehmen und schrieben die beiden laut Berichten teureren der dreien an. Den Preis des dritten und billigsten Anbieters konnten wir einfach auf der Seite Baolau herausfinden (und direkt buchen), die wir in Vietnam für die Buchung all unserer Zug- und Bustickets genutzt haben. Das Ergebnis war eine sehr interessante Preisgestaltung: während Hang Chau, der billigste der Anbieter, die Strecke für 22$ pro Person anbietet, zahlt man bei Blue Cruiser 44$ und über das Victoria Resort Hotel gleich stolze 88$. Als wir dann noch feststellten, dass die beiden teureren zur selben Uhrzeit abfahren und das günstigste zwar laut Fahrplan eine Stunde früher fährt, aber häufig verspätet ist, waren wir uns nicht mehr ganz so sicher, ob wir wirklich mehr bezahlen wollten. In einem Reiseforum lasen wir dann noch, dass jemand an Bord seines Bootes Reisende hatte, die über ein anderes Unternehmen gebucht hatten - scheinbar landeten also ohnehin alle Gäste im selben Boot und damit war auch für uns klar, dass wir die günstigsten Tickets buchen würden.

Als wir am Vormittag der Abreise schonmal an der Anlegestelle vorbeischauten, sagte man uns dann auch direkt, dass wir erst eine Stunde später als vorgesehen beim Boot sein müssten. "Oh, so it is delayed today?" -"Yes, delayed today, everyday!" Sprach's mit einem Goldzahnlächeln. Da ging unsere Rechnung ja voll auf, und für 1/4 des Preises warten wir gerne mal ein Stündchen. Das Boot kam also nach Plan (verspätet) an und während es scheinbar voll besetzt von Chau Doc nach Phnom Penh gefahren war (wir sahen viele Deutsche, vor allem mit Kofferanhängern von Billigreiseanbietern), mussten wir uns die 54 Sitzplätze auf unserer Strecke nur noch mit einem pensionierten australischen Ehepaar teilen. Somit war es eine sehr komfortable Überfahrt!

Zunächst aber beginnen wir unsere Fahrt auf dem Tonle Sap-Fluss, der dem Tonle Sap-See bei Siem Reap entspringt und in Phnom Penh in den Mekong mündet. Wobei er dies nur in der Trockenzeit tut: bei diesem Fluss ist das Besondere, dass er seine Fließrichtung in der Regenzeit ändert, denn dann ist der Mekong so voll, dass der Tonle Sap-Fluss ebenfalls sehr viel Wasser führt und dieses nun in Richtung des Tonle Sap-Sees schiebt und ihn somit füllt. Dieses Wasser fließt dann während der Trockenzeit wieder in Richtung Mekong zurück.

Wir verlassen dann den Tonle Sap-Fluss und vom Mekong aus sehen wir noch eine gute halbe Stunde die Skyline von Phnom Penh hinter uns verschwinden.


Bei herrlichem Sonnenschein sitzen wir in dem überdachten Speedboot, die Abkühlung erfolgt durch den Fahrtwind, und sehen den grünen Dschungel Kambodschas an uns vorbeiziehen. Immer wieder tauchen Pagoden hinter den Palmen auf, Fischerboote sind unterwegs, teils ärmliche Häuser liegen direkt am Ufer. Bäume sind bis zur Krone im braunen Wasser verschwunden.


In den Reiseberichten hatte ich auch gelesen, die Überfahrt lohne sich nicht, weil es bis auf die letzte Stunde nichts zu sehen gäbe. Vielleicht sind die Autoren dieser Reiseberichte nicht in der Regenzeit gefahren, oder sie hatten kein Teleobjektiv zum Beobachten des Flussufers dabei, denn anders kann ich mir die Aussage nicht erklären. Bei uns jedenfalls war schon alleine der Mekong selbst ob seiner Ausdehnung in der Breite ein Highlight. Er kann in der Regenzeit eine Breite von mehreren Kilometern erreichen und bis zu 15m ansteigen. Man fragt sich, wie die Menschen das Leben so nah am Wasser gestalten. Die traditionellen kambodschanischen Häuser stehen auf Stelzen, von denen allerdings nun in der Regenzeit teilweise nicht mehr allzu viel zu sehen ist. Sie scheinen förmlich auf dem Wasser zu liegen.


Wir fahren unter der Neak Loeung-Brücke des Highway 1 durch, die wir auf dem Hinweg mit dem Bus überquert hatten. Bis 2015 war der Highway hier durch eine Fährverbindung unterbrochen, was die Fahrtzeit zwischen Ho Chi Minh Stadt und Phnom Penh natürlich erheblich verlängerte. Gespendet wurde die Brücke von den Japanern.


Nach etwa dreieinhalb Stunden legen wir an und gehen mit unseren Pässen von Bord, um unsere Ausreisestempel von Kambodscha zu bekommen.


Einige Minuten später legt das Boot am vietnamesischen Grenzposten an und wir erhalten unseren Einreisestempel. Wenige Zeit später verlassen wir den Mekong und fahren über einen Kanal zum Bassac-Fluss, an dem Chau Doc liegt, wo wir die Nacht verbringen.


Mel
27.09.2018
Phnom Penh - Chau Doc
Vietnam, Schiff, Kambodscha


3 Kommentare

Mel 01.10.2018 um 20:29 Uhr
Tatsächlich ist es wohl so, dass nicht nur der steigende Meeresspiegel, sondern auch Hochwasserschutzprojekte der letzten Jahre weiter Mekong-aufwärts dazu geführt haben, dass der Wasserstand im Mekong-Delta zur Regenzeit höher ist als früher und es eher zu Überflutungen kommt...

Die Vagabunden 27.09.2018 um 23:31 Uhr
Vielleicht könnt Ihr bei Eurem Geschäftsgeist jetzt auch zum Viertel Preis weiter nach Tokio fliegen. Bei dem Foto mit den älteren Häusern und den verzierten Dächern sieht es so aus, dass zum Zeitpunkt der Errichtung der Gebäude damals üblicherweise so ein hoher Wasserstand nicht erwartet wurde, wie es heute der Fall ist. Die gemauerten Geländer sind ja zur Hälfte überschwemmt.

Sirod 27.09.2018 um 08:09 Uhr
Sehr interessant und anschaulich geschrieben! War gewiss ein tolles Erlebnis!

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