Oh, wie schön ist Kanada!

Nach Asien und vor Mittelamerika wollten wir uns eine kleine Auszeit mit allen Annehmlichkeiten des westlichen Lebensstils in meiner Lieblingsstadt Vancouver nehmen. Vancouver liegt in der Provinz British Columbia (B.C.) im Westen Kanadas. Die Stadt hat etwa 650.000 Einwohner, wobei der durch den öffentlichen Nahverkehr und Highways gut angebundene Großraum 2,5 Millionen Menschen zählt. Oktober ist normalerweise einer der regenreicheren Monate, sodass wir nicht überrascht waren, als wir nach einem sehr bequemen Flug mit Japan Airlines im Nieselregen auf dem Flughafen landeten. Es folgte jedoch eine Woche mit strahlend blauem Himmel, Sonnenschein und herbstlich angenehmen 16 Grad.

Herbst

Zunächst einmal war jedoch Thanksgiving und zu diesem Anlass findet jedes Jahr auf Granville Island der Turkey Trot statt, ein 10 km-Lauf, den wir - ebenfalls teilweise im leichten Regen - mitliefen. Eine schöne Runde um den False Creek mit Blick auf die Skyline und nach dem Zieleinlauf Kaffee, Chili con/sin carne und allerlei andere Leckereien bereiteten uns viel Freude.



Gewohnt haben wir im schönen East End nahe der Commercial Drive, einer lebhaften Einkaufs- und Restaurantstraße von wo aus man in der Ferne Downtown Vancouver sehen kann.

In die Stadt brauchten wir ca. 20 Minuten mit dem Bus, der entlang der Hastings Street fuhr und auch den sozialen Brennpunkt der Downtown East Side durchquerte. Der Anblick der dort lebenden Obdachlosen, meist drogen- oder zumindest alkoholabhängig, ist noch genauso verstörend wie vor zehn Jahren, als ich für zwei Monate ebenfalls im East End wohnte und etwa jeden zweiten Tag hier entlang fuhr. Über etwa vier bis fünf Blocks hinweg werden die Straßen von hunderten von Obdachlosen gesäumt; teils mit Einkaufswagen, in denen ihr Hab und Gut aufbewahrt wird, teils sitzen sie auch herum und bieten verschiedene Dinge wie Schuhe und Kleidung auf Decken zum Verkauf an. Es gibt mehrere Suppenküchen, vor denen sich Schlangen bilden. Der Bus hält in der Ecke etwa viermal und fast jede der einsteigenden Personen ist mitleidserweckend. Seit den 1980er Jahren ging es mit dem Stadtteil bergab, so wurden beispielsweise Einrichtungen für psychisch Kranke in den Nachbarstädten Surrey und Burnaby geschlossen und die Menschen landeten hier. Es kommen aber gerade im Winter auch Obdachlose aus ganz Kanada hierher, da die Winter in Vancouver relativ mild sind und sie hier zumindest überleben können. Interessanterweise hat sich jedoch keine nennenswerte Kleinkriminalität entwickelt, es ist nach wie vor auch nachts sicher, hier umherzulaufen; man bekommt maximal irgendwelche Drogen angeboten. Trotzdem hat mich die Tatsache, dass die Zeit hier in den letzten zehn Jahren stehengeblieben zu sein scheint, die Stadt also scheinbar nichts Nennenswertes unternommen hat, sehr beschäftigt.

Tja, und genauso plötzlich, wie diese so traurige Ecke anfängt, ist man auch schon wieder raus und mittendrin im Zentrum Vancouvers mit seinen Shopping-Straßen, Cafés und Restaurants. Und hier wird die Stadt zur für mich schönsten und lebenswertesten Stadt der Welt.


Aufgrund des bombastischen Wetters verbrachten wir die meiste Zeit der Woche natürlich draußen. Mit dem Seabus fuhren wir auf die andere Seite des Hafens nach North Vancouver, von wo aus man einen herrlichen Blick auf die Skyline hat.


Vom Seabus-Anleger kommt man dann schnell per Bus in die Berge und die wunderschöne Natur. Wir fuhren zum Capilano Regional Park, in dem es eine Lachsaufzuchtstation und viele kleine Wanderwege durch Zedernwälder gibt. Bei dem tollen Herbstwetter perfekt!

Herrliches Wetter hatten wir auch bei der Überfahrt mit der Fähre nach Vancouver Island. Vom eine Stunde nördlich der Innenstadt gelegenen Fährterminal Tsawwassen geht es anderthalb Stunden lang durch die kleinen, größtenteils von Nadelwald bedeckten Inseln der Pacific Islands.


Bei tollem Sonnenschein konnten wir die ganze Zeit an Deck verbringen und den Ausblick genießen. Auf Vancouver Island verbrachten wir zwei Nächte in der Nähe der Hauptstadt von B.C., Victoria, und waren mit dem Fahrrad unterwegs.

Zurück in Vancouver liehen wir uns auch dort ein Fahrrad, da dies die beste Möglichkeit ist, den Stanley Park und die English Bay zu erkunden.


Der Stanley Park ist der Stadtpark von Vancouver, über 400 Hektar groß und im Herbst natürlich schön bunt! Das bekannteste Fotomotiv sind sicherlich die Totempfähle, die an die ehemals im Park ansässigen First Nations erinnern.


So schnell ich mich wieder wie zu Hause gefühlt habe, so schwer fiel es mir auch, Vancouver wieder zu verlassen. Aber glücklicherweise konnte ich auch Tim für Kanada begeistern, sodass wir sicher nicht das letzte Mal hier waren! :)

Mel
07.10.2018 - 15.10.2018
Vancouver
Kanada, Schiff, Fahrrad


2 Kommentare

Toni 28.10.2018 um 15:16 Uhr
Eure Berichte sind wie ein gutes Buch geschrieben. Es ist als wäre man dabei. Ich wünsche Euch weiterhin eine gute Reise.

Die Vagabunden 19.10.2018 um 06:11 Uhr
Tja, bei deinem ersten Besuch dieser Stadt im Jahre 1988 musst du dich wohl mit einem VV (Vancouver-Virus) infiziert haben, der noch heute in dir steckt.

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